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Fachbegriffe der Schweizer Verkehrssicherheit

128 Einträge

Belag / Griffigkeit

Fussgänger / Velo

Geschwindigkeit

Knotenpunkte

Leiteinrichtungen

Linienführung

Gerade

Geradliniger Strassenabschnitt ohne Richtungsänderung, dessen Länge nach oben begrenzt ist, um Monotonie und Geschwindigkeitsüberschreitungen zu vermeiden.

Verwindung

Verdrehung der Fahrbahnoberfläche beim Übergang des Quergefälles zwischen Gerade und Kurve oder zwischen zwei gegensinnigen Kurven.

Anrampung

Höhenveränderung der Fahrbahnränder bei einer Quergefällesänderung, sichtbar als Anheben oder Absenken des äusseren Randes.

Kreisbogen

Kurvenabschnitt mit konstantem Radius, der eine gleichmässige Fahrweise ermöglichen und mit der Projektierungsgeschwindigkeit befahrbar sein soll.

Optische Linienführung

Koordination der Trassierungselemente, damit der Strassenverlauf für den Fahrzeuglenker optisch harmonisch und frühzeitig erkennbar ist.

Übergangsbogen

Verbindungselement zwischen Gerade und Kreisbogen, das eine stetige Krümmungsänderung und kontrollierte Querbeschleunigung gewährleistet.

Homogenität der Linienführung

Eigenschaft einer Linienführung, die sich durch einen fliessenden harmonischen Verlauf ohne unerwartete Richtungswechsel oder gefährliche Geschwindigkeitsschwankungen auszeichnet.

Klothoide

Übergangskurve, deren Krümmungsradius R umgekehrt proportional zur Bogenlänge L ist, beschrieben durch den Parameter A.

Geschwindigkeitsmodell und Geschwindigkeitsdiagramm

Das Geschwindigkeitsmodell beschreibt den theoretischen Verlauf der Projektierungsgeschwindigkeit entlang eines Strassenabschnittes. Das Geschwindigkeitsdiagramm ist dessen grafische Darstellung.

Querruck

Änderung der nicht kompensierten Querbeschleunigung beim Übergang zwischen Geraden und Kurven, massgebend für die Wahl des Klothoidenparameters.

Geschwindigkeitsdifferenz ΔV / max ΔVΔV

Die Veränderungen der Geschwindigkeit, die sich aus dem Verlauf der Projektierungsgeschwindigkeit infolge Trassierung ergeben. Die Norm legt Höchstwerte (max ΔV) fest.

Vertikale Linienführung

Projektion der Strassenachse auf eine gestreckte Vertikalebene (Aufriss), bestehend aus Abschnitten konstanter Längsneigung und vertikalen Ausrundungen.

Erfassungsdistanz DᴇD_E

Die Strecke, innerhalb welcher Fahrzeuglenkende aufgrund ihrer menschlichen Fähigkeiten und Grenzen Vorgänge und Hindernisse erfassen können. Geschwindigkeitsabhängig.

Längsneigung

Höhenveränderung der Strassenachse auf einer bestimmten Länge in Prozent; positiv = Steigung, negativ = Gefälle.

Kuppe

Konvexe vertikale Ausrundung bei einem Neigungswechsel von Steigung zu Gefälle, die die vorhandene Sichtweite begrenzt.

Übergangslänge DᴛD_T

Eine modellmässige rechnerische Distanz, in der sich die Projektierungsgeschwindigkeit zwischen zwei Kurven oder zwischen Kurven und Geraden modellhaft ändert.

Beschleunigungs- und Verzögerungsstrecke Dᴛʙ und DᴛᴠD_TB / D_TV

Distanzen, die sich aufgrund der Konstruktion mit den Übergangslängen unter Einfluss der effektiven horizontalen Krümmungsverhältnisse gemäss Modell ergeben.

Wanne

Konkave vertikale Ausrundung bei einem Wechsel von Gefälle zu Steigung, massgebend für die Sichtweite bei Dunkelheit.

Ausrundungsradius

Radius des vertikalen Kreisbogens (R_V) bei Neigungswechseln im Längsprofil, bestimmt die Ausrundungslänge und die verfügbare Sichtweite.

Passive Sicherheit

Aktive vs. passive Sicherheit

Aktive Sicherheit verhindert Unfälle. Passive Sicherheit mindert die Folgen, wenn ein Fahrzeug die Fahrbahn verlässt.

Fahrbahn

Der Teil der Strasse, der dem Fahrverkehr dient.

Fahrbahnrand

Die seitliche Begrenzung der Fahrbahn gegenüber dem Seitenraum. Referenzpunkt für die Messung des kritischen Abstands.

Seitenraum

Der Bereich der Strasse ausserhalb des Fahrbahnrands – also alles zwischen Fahrbahnrand und den Grenzen des Strassenraums.

Strassenraum

Umfasst die Strasse und ihre unmittelbare Umgebung – also Fahrbahn plus Seitenraum zusammen.

Gefahrenstelle (Passive Sicherheit)

Ein Ort oder Bereich im Seitenraum, an dem Dritte oder Verkehrsteilnehmer gefährdet sind, wenn Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen.

Hindernis

Ein Objekt im Seitenraum, das beim Anprall eines Personenwagens Personenschäden verursachen kann.

Kritischer Abstand

Der seitliche Abstand vom Fahrbahnrand, innerhalb dessen Massnahmen der passiven Sicherheit zu prüfen sind.

Gefährdungsperimeter

Der Bereich des Seitenraums innerhalb des kritischen Abstands – also die Zone, in der Gefahrenstellen relevant sind.

Fahrzeug-Rückhaltesystem

Ein im Seitenraum angeordnetes System, das ein von der Strasse abkommendes Fahrzeug bis zu einer bestimmten Aufhaltestufe zurückhält.

Schutzeinrichtung

Ein Fahrzeug-Rückhaltesystem entlang der Fahrbahn, das auf seitlichen Anprall ausgerichtet ist. Typische Vertreter: Leitschranken und Leitmauern.

Anpralldämpfer

Ein punktförmiges Fahrzeug-Rückhaltesystem, das in der Regel vor einem Hindernis steht und primär auf frontalen Aufprall ausgelegt ist.

Aufhaltestufe

Das Mass für das Aufhaltevermögen einer Schutzeinrichtung – definiert über genormte Anprallprüfungen.

Anprallheftigkeitsstufe

Bewertet die Verletzungsschwere für die Fahrzeuginsassen beim Anprall an ein Rückhaltesystem. Stufe A ist strenger als Stufe B.

WirkungsbereichW

Der seitliche Abstand, den eine Schutzeinrichtung beim Anprall maximal benötigt – gemessen zwischen Vorderseite der Einrichtung und der äussersten dynamischen Position.

FahrzeugeindringungVI

Der Abstand zwischen Vorderseite der Schutzeinrichtung vor dem Anprall und der äussersten seitlichen Position des Fahrzeugs während des Anpralls.

Starre vs. umfahrbare vs. ungefährliche Tragkonstruktion

Klassifikation von Objekten im Seitenraum nach ihrem Verhalten beim Fahrzeuganprall.

Prioritäten der Sicherheitsmassnahmen

Bei Abkommensunfällen gilt eine dreistufige Prioritätsreihenfolge: zuerst aktive Sicherheit verbessern, dann Dritte schützen, dann Fahrzeuginsassen schützen.

Projektierung

Projektierungsablauf

Systematischer, iterativer Ablauf der Strassenprojektierung von Pflichtenheft über Vorprojekt und Bauprojekt bis zur Ausführung.

Strassentyp

Klassierung einer Strasse nach verkehrsplanerischen Kriterien wie Funktion, Bedeutung im Netz und Ausbaugrad.

Unterhaltsfreundliche Gestaltung

Planungsprinzip, bei dem Strassenanlagen so entworfen werden, dass späterer Unterhalt sicher, effizient und mit minimaler Verkehrsbehinderung durchführbar ist.

Verkehrsplanerische Funktionen

Hierarchische Grundfunktionen von Strassen im Netz: Erschliessen, Sammeln, Verbinden und Durchleiten.

Verkehrsorientierte Strasse

Strasse, die primär den Motorfahrzeugverkehr bedient und zum übergeordneten, leistungsfähigen Netz gehört (HLS, HVS, VS).

Siedlungsorientierte Strasse

Innerörtliche Strasse mit geringer Verkehrsfunktion, die neben Fahren auch Aufenthalt und Begegnung ermöglicht (SS, ES).

Hochleistungsstrasse (HLS)

Kreuzungsfreie, richtungsgetrennte Strasse für hohe Geschwindigkeiten und Leistung, mit internationaler bis regionaler Bedeutung.

Hauptverkehrsstrasse (HVS)

Strasse mit nationaler bis zwischenörtlicher Bedeutung, die hohe Leistung bei mittleren Geschwindigkeiten mit homogenem Ausbau bietet.

Verbindungsstrasse (VS)

Strasse mit regionaler oder lokaler Bedeutung für untergeordnete Verbindungen bei begrenzter Leistung, Va 50–80 km/h.

Sammelstrasse (SS)

Innerörtliche Strasse, die den Erschliessungsverkehr bündelt und zu übergeordneten Strassentypen führt, Va 30–60 km/h.

Erschliessungsstrasse (ES)

Siedlungsorientierte Strasse mit quartiersinterner Bedeutung zur Anbindung einzelner Grundstücke und Gebäude, Va 20–50 km/h.

Netzbildung

Hierarchischer Aufbau des Strassennetzes, bei dem direkte Verknüpfungen nur zwischen benachbarten Strassentypen vorgesehen sind.

Koordination der geometrischen Elemente

Aufeinander Abstimmung von Lage, Höhe und Querschnitt einer Strasse für Fahrdynamik, Sicherheit und optische Führung.

Wohnstrasse

Besonders gestaltete Verkehrsfläche in Wohngebieten, wo Aufenthalt, Begegnung und Spiel gleichberechtigt neben dem Fahren stehen.

Querschnitt

Geometrisches Normalprofil (GNP)GNP

Die massstabsgetreue Darstellung der Querschnittsabmessungen einer Strasse für einen bestimmten Streckenabschnitt.

Grundbegegnungsfall

Massgebende Fahrzeugkombination für die Querschnittsbemessung einer Strasse, z.B. LW/LW, LW/PW oder PW/Zweirad je nach Strassentyp.

Strassenquerschnitt

Der Querschnitt einer Strasse, dessen Abmessungen durch das geometrische Normalprofil festgelegt werden.

Ausweichstelle

Lokale Fahrbahnverbreiterung auf einspurigen Strassen, die das Kreuzen von Fahrzeugen ermöglicht.

Verkehrsstreifen

Flächen für fahrende oder ruhende Fahrzeuge sowie für übrige Verkehrsteilnehmer – der Oberbegriff für alle Streifenarten im Querschnitt.

Fahrstreifen

Teile der Fahrbahn, die für die Fortbewegung von Fahrzeugen Raum bieten. Ihre Breite wird aus der lichten Breite der einzelnen Verkehrsteilnehmer abgeleitet.

Lichtraumprofil

Die im Querschnitt benötigte Fläche eines Verkehrsteilnehmers – bestehend aus Grundabmessung, Bewegungsspielraum und Sicherheitszuschlag.

Grundabmessung (Verkehrsteilnehmer)

Die physische Breite und Höhe eines Verkehrsteilnehmers oder Fahrzeugs – Ausgangsgrösse für die Berechnung des Lichtraumprofils.

Bewegungsspielraum

Zuschlag zur Grundabmessung für Fahr- und Lenkbewegungen sowie Fahrzeugschwingungen – geschwindigkeitsabhängig.

Sicherheitszuschlag

Zuschlag zum Bewegungsspielraum, der Massungenauigkeiten und über die Karosserie hinausragende Teile kompensiert.

Gegenverkehrszuschlag

Zusätzlicher Breitenzuschlag zwischen gegenläufigen Fahrstreifen – geschwindigkeitsabhängig, nur bei Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn.

Lichte Breite

Die minimale nutzbare Strassenbreite – ergibt sich aus den Lichträumen der Verkehrsteilnehmer plus Gegenverkehrszuschlag.

Begegnungsfall

Die Kombination von Verkehrsteilnehmern, die sich auf einer Strasse begegnen oder überholen – massgebend für die Bestimmung der Fahrbahnbreite.

Standstreifen (Pannenstreifen)

Seitlich der Fahrbahn angeordneter Streifen zum Abstellen von Pannenfahrzeugen und als Zufahrt für Rettungsfahrzeuge.

Mehrzweckstreifen

Seitlich der Fahrstreifen angeordneter Streifen, der das Vorbeifahren an langsamen Fahrzeugen erleichtert und auf untergeordneten Strassen die Begegnung breiter Fahrzeuge ermöglicht.

Radstreifen

Für leichte Zweiräder bestimmter Fahrstreifen innerhalb der Fahrbahn, durch Markierung oder besonderen Belag gekennzeichnet.

Gehweg (Trottoir)

Für Fussgänger bestimmter Verkehrsstreifen, der durch bauliche Massnahmen von der Fahrbahn getrennt ist.

Trennstreifen

Bauliche Trennung zwischen Verkehrsstreifen – z.B. zwischen schnellem und langsamem Verkehr oder zwischen verschiedenen Verkehrsarten.

Bankette

Der Übergang zwischen dem äussersten Verkehrsstreifen und der Umgebung – dient Sicherheits- und Unterhaltsbedürfnissen.

Randelemente

Alle Teile des Querschnitts ausserhalb der äussersten Verkehrsstreifen – z.B. Entwässerungsgräben, Böschungen, Stützmauern oder Lärmschutzwände.

Streifenabschluss

Die seitliche Begrenzung der Verkehrsstreifen – entweder als baulicher Abschluss (Randstein) oder als Markierung.

Quergefälle der Streifen

Die seitliche Neigung der einzelnen Verkehrsstreifen – im geometrischen Normalprofil zu berücksichtigen, beeinflusst das Lichtraumprofil im oberen Bereich.

Sichtweiten

Strassenraum

Unfallanalyse

Strassenverkehrsunfall

Ereignis auf einer öffentlichen Strasse mit mindestens einem bewegten Fahrzeug, bei dem Personen- oder Sachschaden entsteht.

UnfallschwerekategorieU(SS), U(LV), U(G+SV)

Klassierung eines Unfalls nach der schwersten Verletzungsfolge: Sachschaden, Leichtverletzte oder Getötete/Schwerverletzte.

Unfalltypengruppe

Zusammenfassung ähnlicher Unfallabläufe in 11 Hauptgruppen (z.B. Schleuder-/Selbstunfall, Auffahrunfall, Fussgängerunfall).

Hauptursache

Der von der Polizei bestimmte massgebende Faktor, der den Unfall ausgelöst hat (z.B. Geschwindigkeit, Alkohol, Unaufmerksamkeit).

UnfallkostensatzUKS

Durchschnittliche volkswirtschaftliche Kosten pro Unfall, differenziert nach Schwere und Ortslage. Einheit: CHF pro Unfall.

ISSI Infrastruktur-SicherheitsinstrumenteISSI

Systematisches Instrumentarium des ASTRA zur Verbesserung der Strasseninfrastruktur-Sicherheit. Umfasst proaktive und reaktive Methoden.

Road Safety Audit (RSA)RSA

Proaktives ISSI-Instrument: Systematische Prüfung von Strassenprojekten auf Sicherheitsdefizite in allen Projektphasen.

Road Safety Inspection (RSI)RSI

Proaktives ISSI-Instrument: Systematische Begehung bestehender Strassen zur Erkennung von Sicherheitsdefiziten vor Ort.

Blackspot Management (BSM)BSM

Reaktives ISSI-Instrument: Identifikation und Analyse von Unfallschwerpunkten anhand statistischer Häufung von Unfällen.

Road Safety Impact Assessment (RIA)RIA

Proaktives ISSI-Instrument: Quantitativer Vergleich von Projektvarianten anhand der erwarteten Unfallkosten.

Network Safety Management (NSM)NSM

Reaktives ISSI-Instrument: Netzweite Bewertung der Strasseninfrastruktur anhand des Infrastrukturpotenzials je Abschnitt.

Einzelunfallstellen-Management (EUM)EUM

Ergänzendes ISSI-Verfahren: Analyse einzelner schwerer Unfälle zur Erkennung infrastruktureller Mitursachen.

Unfallschwerpunkt (USP)USP

Stelle im Strassennetz mit statistisch signifikanter Häufung von Unfällen, identifiziert durch den BSM-Algorithmus.

Einzelunfallstelle

Stelle eines einzelnen schweren Unfalls, die im EUM auf infrastrukturelle Mitursachen untersucht wird.

Gefahrenstelle (RSI)

Bereich im Strassennetz, der aufgrund von Gestaltung, Zustand oder Betrieb ein erhöhtes Unfallrisiko für Verkehrsteilnehmende darstellt.

Sicherheitsdefizit

Mangel in der Strasseninfrastruktur, der das Unfallrisiko oder die Unfallschwere erhöht.

Referenzzustand

Bestehender Zustand des Strassennetzes mit aktuellem Unfallgeschehen, der als Vergleichsbasis für Projektvarianten dient.

Infrastrukturpotenzial

Vermeidbare Unfallkostendichte eines Netzabschnitts: Differenz zwischen effektivem Unfallgeschehen und Grundunfallniveau.

Grundunfallniveau

Rechnerisch bestimmtes Sicherheitsniveau eines Netzabschnitts bei optimaler Gestaltung und Betrieb. Untere Grenze der Unfallkosten.

Monitoring (Verkehrssicherheit)

Systematische, periodische Beobachtung der Verkehrssicherheitslage zur Erfolgskontrolle und Erkennung neuer Handlungsbedarfe.

Verkehrsstärke (DTV)DTV

Durchschnittlicher täglicher Verkehr: Mittlere Anzahl Fahrzeuge pro Tag an einem Strassenquerschnitt.

Analysenetz

Zusammenhängendes Strassennetz, das im NSM oder RIA auf Sicherheitsaspekte untersucht wird.